Freitag, 25. März 2022

GEMEINSAM FÜR VIELFALT – UNI ROSTOCK STELLT AUF TAGUNG NEUE STUDIENERGEBNISSE VOR


Von 25. bis 27. März 2022 veranstalten das FILMFEST MÜNCHEN und die Evangelische Akademie Tutzing eine Tagung zum Thema Sehen und gesehen werden. Teilhabe im Film. Im Vorprogramm präsentiert Professorin Dr. Elizabeth Prommer von der Universität Rostock neue Ergebnisse aus der von der MaLisa Stiftung initiierten Studie zur Diversität des deutschen Kinos. Anschließend findet eine Gesprächsrunde mit Elizabeth Prommer, Thelma Buabeng und Maria Furtwängler statt, moderiert von Boussa ThiamDie Veranstaltung wird als Livestream öffentlich zugänglich sein. 

Eine Analyse der Universität Rostock, die mit der MaLisa Stiftung und ihren Partnerinstitutionen auf den Weg gebracht wurde, ist der Frage nachgegangen, ob die deutsche Gesellschaft in ihrer Vielfalt im deutschen Kino repräsentiert ist. Nachdem im Februar bereits die Ergebnisse bezüglich der Diversitätskriterien Geschlecht und Alter veröffentlicht wurden, stellt Prof. Dr. Elizabeth Prommer, Direktorin des Instituts für Medienforschung der Universität Rostock am 25. März aktuelle ergänzende Ergebnisse vor. Sie nehmen die Dimensionen Migrationshintergrund, ethnische Zuschreibung, sexuelle Orientierung sowie Behinderung in den Blick und offenbaren einen deutlichen Mangel an Diversität auf den Leinwänden der deutschen Kinos.


ZENTRALE ERGEBNISSE


Frauen werden kaum vielfältig dargestellt


Unterschiedliche sexuelle Orientierungen, Menschen mit MIgrationshintergrund und Schwarze Menschen / People of Colour sind nicht so vielfältig sichtbar wie in der Bevölkerung in Deutschland. Augenfällig ist dabei, dass Männer in nahezu allen Diversitätskategorien häufiger repräsentiert sind als Frauen. Frauen hingegen werden oft im Kontext von Partnerschaft und Beziehung erzählt und schlank, heterosexuell und ohne Behinderung dargestellt.



Protagonist*innen mit Behinderung sind fast so häufig sichtbar wie in der Gesellschaft


Menschen mit Behinderung kommen im deutschen Kino fast so häufig vor wie in der Gesellschaft. Jedoch gilt dies vor allem für männliche Protagonisten. Frauen mit Behinderung sind in deutschen Filmen nur äußert selten zu sehen.



Nicht heterosexuelle Protagonist*innen sind unterrepräsentiert


Deutsche Kinofilme sind insgesamt sehr heteronormativ: Nur rund drei Prozent der Protagonist*innen sind als nicht heterosexuell lesbar. Zum Vergleich: Laut einer repräsentativen Studie von IPSOS von 2021 ordnen sich rund elf Prozent der Deutschen als nicht heterosexuell ein.



Protagonist*innen mit Migrationshintergrund sind deutlich unterrepräsentiert


Menschen mit Migrationshintergrund stellen im deutschen Kino lediglich 15 Prozent aller Protagonist*innen im Fernsehen dar, im Vergleich zu ihrem Anteil in der Bevölkerung von über 26 Prozent.

Zur Definition von „Migrationshintergrund“: siehe auch “Sichtbarkeit auf dem Prüfstand: Fortschrittsstudie zur audiovisuellen Diversität: Kino  & Vielfalt”


Durchgeführt wurde die unabhängige Studie von Professorin Elizabeth Prommer vom Institut für Medienforschung der Universität Rostock. Gefördert wurde sie von der Film- und Medienstiftung NRW, dem Medienboard Berlin-Brandenburg, der Filmförderungsanstalt FFA, dem FilmFernsehFonds Bayern, den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF, den privaten Sendern RTL Deutschland und ProSiebenSat.1 sowie der MaLisa Stiftung.



Die Tagung „Sehen und gesehen werden: Teilhabe im Film“ bringt eine Vielzahl Vertreter*innen der Filmbranche zusammen. Sie wird organisiert vom FILMFEST MÜNCHEN, gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Tutzing, und gefördert durch den FFF Bayern. Ziel ist, konkret postmigrantische Perspektiven in den Vordergrund rücken und analysieren, wie es um ihre Teilhabe in der deutschen Film- und TV-Landschaft im Jahr 2022 steht. 


Elizabeth Prommer, Thelma Buabeng, Maria Furtwängler im Gespräch mit Boussa Thiam im Vorprogramm der Tagung „Sehen und gesehen werden: Teilhabe im Film“

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